Osterreich: Bio hat Zukunft, aber auch viele Probleme – so titelte die Bauernzeitung

/Osterreich: Bio hat Zukunft, aber auch viele Probleme – so titelte die Bauernzeitung

Osterreich: Bio hat Zukunft, aber auch viele Probleme – so titelte die Bauernzeitung

Die Bioprobleme in Österreich bewegen sich schon auf verdammt hohem Niveau:Der Biokonsum kann sich in jeder Hinsicht sehen lassen. Und auch die Produktion – etwa von Bio-Milch – liegt an der Spitze.

 Mit 431.000 t Biomilch (2010), erzeugt in 7473 Biobetrieben, liegt Österreich gemessen an der Anlieferung, hinter Deutschland (knapp 600.000 t) und Dänemark (478.000 t) in absoluten Zahlen in Europa auf dem dritten Platz. Beim Bioanteil an der gesamten Milchanlieferung befindet sich Österreich mit 15,5 Prozent in Europa aber klar an der Spitze, deutlich vor Dänemark (9,9 Prozent), Schweden (9,1 Prozent) und auch vor der Schweiz (sechs Prozent). Allerdings kann die angelieferte Milch – wie auch in einigen der anderen LÄNDER –  nur zum Teil zu Biopreisen vermarktet werden, in Österreich sind es 381.000 von 431.000 t.

 Die Österreichische Bauernzeitung liefert einen interesanten Überblick über die Situation. Wenn man das Allerdings die Konsumzahlen analysiert, sieht man eben auch den deutschen Unterschied zwischen Bio-Mengenanteil und  dem wesentlich höheren Wertanteil der Bioprodukte.

„Österreich ist nicht nur ein Vorzeigeland in der biologischen Landwirtschaft – fast 20 Prozent der landwirtschaftlichen Nutzfläche werden biologisch bewirtschaftet, mehr als 16 Prozent der Betriebe sind Biobetriebe –, Bioprodukte finden auch generell großen Anklang bei den Konsumenten. Wie aus den Daten der RollAMA hervorgeht, die die Lebensmitteleinkäufe (mit Ausnahme von Brot und Gebäck) von 2500 Haushalten in Österreich erhebt und bewertet, wurden im Jahr 2010 in den Frischesegmenten des Lebensmittelhandels Bioprodukte im Wert von 306 Mio. Euro gekauft. Das waren bereits 6,5 Prozent am Gesamtumsatz der erfassten Frischelebensmittel im Lebensmittelhandel.

 Enorme Zuwachsraten bei Brot und Gebäck

 Laut Hubert Zamut, Leiter des Geschäftsfeldes Markt in der Bio Austria, ist der Bioanteil aber noch höher, als in der RollAMA ausgewiesen.Denn die RollAMA erfasse Brot und Gebäck nicht. „Gerade in diesem Segment gibt es enorme Zuwachsraten. Der Anteil liegt sicher schon im zweistelligen Bereich“, sagt Zamut im Gespräch mit der BauernZeitung.

 Positive Perspektiven für Biolebensmittel

Generell sieht Zamut die Zukunft-sperspektiven für Biolebensmittel positiv: „Wir merken mehr Bewusstsein bei den Verbrauchern bezüglich der Ernährung, des Umgangs mit dem Boden, mit den Ressourcen und der Umwelt generell. Als Reaktion auf die Wünsche der Verbraucher ist im Lebensmittelhandel ein Trend zu mehr Regionalität festzustellen.“

 Die Einschätzung des Bio Austria-Marktexperten trifft sich mit jener der beiden größten österreichischen Lebensmittelhandelsketten Rewe (Billa, Merkur, Penny) und Spar. „Die Nachfrage der Konsumenten nach biologischen Lebensmitteln ist in den letzten Jahren unbestritten kontinuierlich angewachsen und auch weiterhin hoch. Generell und auch langfristig steckt sicherlich noch viel Potenzial im Biosektor“, sagt etwa Karin Nakhai, Sprecherin von Rewe International.

 Auch Spar rechnet weiter mit Zuwächsen und zwar im gesamten Sortiment, so Spar Österreich-Sprecherin Nicole Berkmann: „Bio entwickelt sich seit Jahren positiv. Ich sehe keinen Grund, warum das 2012 nicht so sein sollte.“

 Discounter Hofer ist Marktführer bei Bio

Im Rennen um die Marktführerschaft ist allerdings der Discounter Hofer, der vor einigen Jahren groß in das Biogeschäft eingestiegen ist, nach Angaben von Zamut mit einem Anteil von 35 Prozent am Biomarkt im Lebensmittelhandel um mittlerweile „mehr als eine Nasenlänge vor Billa und Merkur“, die zusammen 29 Prozent vom Biokuchen bekommen.

 So liege Hofer etwa mit einem Marktanteil von 48 Prozent in der Weißen Palette (Milch, Butter, Joghurt etc.) klar vor Billa und Merkur, die in diesem Segment auf 24 Prozent kommen. Allerdings führe Rewe mehr oder weniger deutlich bei der Bunten und der Gelben Palette (Fruchtjoghurt etc. bzw. Käse) sowie bei Frischobst, Frischgemüse, Kartoffeln und Eiern. Spar komme, so Zamut, auf einen Marktanteil im Biobereich von insgesamt 22,6 Prozent.

 Wie der Bio Austria-Marktexperte weiters erläutert, nehmen die Bioanteile bei Frischmilch und ESL-Milch (länger frische Milch) sowohl bei Hofer als auch bei Spar weiter zu, bei Rewe sei hier die Entwicklung negativ. Generell stark rückläufig seien die Entwicklungen bei der Bunten Palette. Dies sei, so Zamut, einerseits „mit starken Einsparungen bei den Werbeausgaben in diesem Segment“ erklärbar, andererseits sei auch „die eine oder andere Sortimentsbereinigung erkennbar“.

 Die Bedeutung der Eigenmarken der Handelsketten nehme – ausgenommen bei der Bunten Palette – weiter zu. Ungebrochen stark und noch immer steigend seien, so Zamut, auch die Aktionsanteile im Handel. So werden etwa 35 Prozent der gesamten Bunten Palette in Aktion verkauft.

 Generell war das Jahr 2011 für die Biobranche ein durchaus herausforderndes. Nach den derzeit vorliegenden Daten der ersten beiden Trimester (Jänner bis August) haben sich die Biomarktanteile, unter Berücksichtigung saisonaler Schwankungen, relativ konstant entwickelt – und das, obwohl laut Roll AMA der Lebensmittelmarkt im zweiten Trimester (Mai bis August) generell wertmäßig um 1,5 Prozent geschrumpft ist. Bei näherer Betrachtung gibt es aber in den einzelnen Frischesegmenten sehr unterschiedliche Entwicklungen.

 Vor allem bei Frischobst und Frischgemüse sind die Auswirkungen der EHEC-Krise massiv spürbar und fallen genau in den Erhebungszeitraum Mai bis August. Zamut: „Aufgrund der falschen medialen Berichterstattung war Bio stärker betroffen. Die da­raufhin teilweise überzogenen Reaktionen des Handels waren für die Rückgänge ursächlicher als die Kaufzurückhaltung der Konsumenten.“

 Handel übt Preisdruck auf Verarbeiter aus

Mit Sorge betrachtet man bei Bio Austria den Umstand, dass der Handel generell einen enormen Druck auf die Verarbeiter ausübe, sagt Zamut: „Damit löst man eine bedenkliche Negativspirale bei der Qualität aus. Um mit dem Preis mithalten zu können, müssen die Verarbeiter so billig wie möglich einkaufen.“

 Die Preise von konventionellen Produkten nähern sich jenen von Bioprodukten immer mehr an, auch wenn man sowohl bei Rewe als auch bei Spar betont, dass Bioprodukte mehr kosten dürfen. Bioware sei rund ein Drittel teurer, sagt Rewe-Sprecherin Nakhai, denn: „Bio billig geht nicht.“ Laut Spar-Sprecherin Berkmann lässt sich allgemein nicht sagen, welche Preisunterschiede zwischen bio und konventionell die Konsumenten zu akzeptieren bereit sind: „Die Spannweite liegt zwischen fünf und 20 Prozent.“

 Biofleisch für die meisten Konsumenten zu teuer

Der geringe Marktanteil von Biofleisch verwundert demzufolge nicht, weil sich hier die Preisunterschiede besonders deutlich zeigen. Nakhai: „Grundsätzlich legen die KundInnen bei Lebensmitteln großen Wert auf eine hohe Qualität und achten sehr auf das Image einer bestimmten Marke. Einzig bei Fleisch rückt dieser Qualitäts- oder Herkunftsanspruch leider nach wie vor in den Hintergrund und wird durch ein hohes Preisbewusstsein verdrängt.“ Spar-Sprecherin Berkmann wird noch deutlicher: „Eine Spreizung von 100 Prozent, wie bei Fleisch, wird nicht mehr akzeptiert.“

 Auch Zamut räumt ein, dass bei Fleisch ein geringerer Preisunterschied zwischen bio und konventionell die Nachfrage beflügeln würde. Derzeit werde ein großer Teil über verschiedene Markenprogramme „konventionell“ vermarktet. Weil es sich dabei bereits um hochpreisige Premiumprodukte handle, lasse sich ein noch höherer Biopreis nicht mehr umsetzen. Zamut: „Wir hoffen, dass sich die Situation mit der neuen Marke ,Bio Austria Rind‘ verbessert. Sie ist im Klassifizierungsdienst der AMA genau definiert und wird über die Rinderbörse vermarktet.“

2019-05-09T16:15:56+02:00 13. Januar 2012|News|0 Kommentare

Hinterlassen Sie einen Kommentar