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Aktueller Kommentar: Bio und Ernährung brauchen Visionen und eine ständige Dynamik

31. Januar 2016 - 9:37 -- Dr. Klaus-Jürge...

In einer sehr schnelllebigen Zeit nehmen immer weniger Menschen bewusst wahr, was sich selbst in einem kurzen Zeitraum wie 30 Jahren im eigenen Land alles verändert hat.

Was war: damals waren für den Biomarkt Player am Werk, die ich Entwickler nennen würde: die dynamischten unter Ihnen die Biozentrale, mit deren Mitwirkung große Handelsketten in Deutschland wie Edeka, Rewe und Metro zu ihrem Bioangebot kamen, sowohl über Eigenmarken wie als Zusatzangebot der Biozentrale. Daneben gab es die am Anfang sicher noch schwer absehbare Allianz von Alnatura mit tegut und dm ( die drei haben einst zusammen die Marke Alnatura ins Lebensgerufen) , deren Entwicklung einige Verpuppungen durchmacht, aber wesentlich zur Fortentwicklung beitrug. Und natürlich gab es auch Player, die einfach einen verhältnismäßig gradlienigen Entwicklungsweg nach vorn machten wie im Lebensmitteleinzelhandel etwa Rila mit rinatura Bio und im Fachhandel Dennree, Rapunzel, Davert und sicher noch einige mehr. In den Anfängen machte trotz aller Euphorie der Anteil des Bioumsatzes an den gesamten Lebensmitteln in Deutschland vielleicht ein Prozent aus, aber alle spürten, dass sich da wesentlich mehr entwickeln könne. Visionäre sprachen von 10 – 15 %.

Wir überspringen eine Zwischenzeit und die sicher auch sehr interessante Frage, ob die beteiligten Player immer rechtzeitig verstanden haben, wie sich sich ihre Rolle im Markt verändert hat. Aber konzentrieren wir uns darauf, was daraus geworden ist. Das Wachstum ist da, liegt heute bei gesamtheitlich etwa 4 % Anteil, aber allzu wilde Träume sind verflogen. Die Entwicklung hat die Player wieder auf ihre sinnvollen Plätze bugsiert und sie sind dabei immer weniger extern zu beeinflussen, obwohl sie sehr noch Impulse aufnehmen. Außer im Südwesten und mit einem Teil der selbständig geführten Märkte erreicht die Edeka in Sachen Bio nur kaum den Durchschnitt. Aber der Primus unter den großen Handelsketten hat in Bio inzwischen seine Richtung gefunden. Nach
einer Konsolidierungsphase über die Eigenmarke Edeka Bio nimmt bewusst wieder Marken ins Boot. Ob dabei nun Alnatura oder Veganz die darein gesetzten Hoffnungen nun ganz oder teilweise erfüllen, sei dahingestellt. Rewe hingegen fährt gut damit, sich auf die Eigenmarke Rewe Bio zu konzentrieren und in diesem Feld mit geschickten eigenen Entwicklungen mehr als nur den Basisbedarf abzudecken. Ein Weg, der gut zur eigenen Struktur passt.

Dynamisch und verschlungen haben sich die Rollen von Alnatura und den Drogeriemärkten entwickelt. Nach dem Ende von Schlecker haben sich dm und Rossmann mit unterschiedlichem Profil zu Bionahversorgern gemausert. Der Tyo Drogeriemarkt hat dadurch noch mehr Profil gewonnen und deckt dauerhaft gewisse Teilsegmente des Haushalts sehr erfolgreich ab. Egal, was sonst dazu sagen wäre, hier liegt auch die innere Logik der Ablösung von dm und Alnatura. Der dritte im Bunde, tegut... konnte sich dank des Partners Migros eher in die Richtung eines Player mit kontinuierlicher Entwicklung bewegen und darf mit rund 20% Bioumsatzanteil ja auch berechtigt Kontinuität pflegen. Bei allem Beteiligten ist Bio ion den letzten Jahren ein Teil der Profilierung geworden, wenn auch nicht die einzige. Das wäre auch zuviel.

Im Lebensmitteleinzelhandel gibt es nach wie vor eine große Entwicklung, die Bio in Deutschland in die Hände spielt: Im Bereich Gemüse hat der einstige Innovationsbereich Tiefkühl seinen Zenit deutlich überschritten und nur setzt der Handel sinnvollerweise stattdessen auf Frische. Nur dort, wo es logistisch praktischer ist und im Bereich von Fertiggerichten hat das TK-Angebot seinen Platz. Für die Basisversorgung im Grundnahrungsbereich macht sich immer mehr eine Engpaßsituation mit hochwertigen Biorohstoffen erkennbar. Das hat zur Folge, dass all diejenigen, die solche Ware vertreiben wollen, zwangsläufig näher an die Ursprünge der Ware heranrücken müssen, um sichere Quellen zu haben und über absehbare Einkaufspreise verfügen.

Dr. Klaus-Jürgen Holstein

 

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