Startseite >> News >> Österreich: Gipfelvisionen der anderen Art. 30% Bioanbau - für den Eigenbedarf und für die Nachbarn in Europa

Österreich: Gipfelvisionen der anderen Art. 30% Bioanbau - für den Eigenbedarf und für die Nachbarn in Europa

4. April 2017 - 14:34 -- Dr. Klaus-Jürge...

Österreich definiert seine Bio-Stärke über die Produktion der eigenen Landwirtschaft, weniger über den zweifellos auch hohen inländischen Konsum von Biowaren. Die Lage der österreichischen Bio-Landwirtschaft ist bei aller Liebe zur Region und trotz gemeinsamer alpenländischer Situation mit der Schweiz doch eben total unterschiedlich.

„Wir sollten uns gemeinsam mit der Politik 30 Prozent Bio-Anteil an der Gesamtfläche bis zum Jahr 2025 als neues Etappenziel vornehmen“, konstatierte Grabmann. Denn das Potenzial der biologischen Landwirtschaft sei auch in Österreich noch lange nicht ausgeschöpft. „Es soll und darf gedanklich, gesellschaftlich und politisch keine gläserne Decke geben, bei der Bio ansteht“, sagte die Obfrau der Biobäuerinnen und Biobauern Österreichs.

Die biologische Landwirtschaft in Österreich verzeichnet besonders in den letzten beiden Jahren ein beachtliches Wachstum. Immer mehr Betriebe entscheiden sich für den Einstieg in die biologische Wirtschaftsweise. 2016 gab es in Österreich 21.820 Bio-Betriebe, das entspricht einem Anteil von 19 Prozent an allen landwirtschaftlichen Betrieben. Mit dem Anstieg der Betriebe wächst auch die biologisch bearbeitete landwirtschaftliche Nutzfläche beständig. 571.585 Hektar werden derzeit (Stand 2016) biologisch bewirtschaftet, was einen Anteil von 22 Prozent an der landwirtschaftlichen Gesamtfläche bedeutet. „Mehr als jeder fünfte Hektar wird heute in Österreich nach Bio-Richtlinien bewirtschaftet. Der Flächenzuwachs pro Jahr – 2015 auf 2016 waren es etwa 26.500 Hektar – entspricht in etwa der Größe von Malta bzw. etwa 38.000 Fußballfeldern“, so Grabmann.

Wichtiger Schritt in Richtung Ökologisierung der Landwirtschaft

2017 wird sich diese Entwicklung fortsetzen: Insgesamt haben sich 1.753 Betriebe zur Maßnahme biologische Wirtschaftsweise im Agrarumweltprogramm (ÖPUL) angemeldet. 2016 sind ebendort 1953 Betriebe neu hinzugekommen. Umgerechnet steigen damit in Österreich pro Tag fünf landwirtschaftliche Betriebe neu in die Biolandwirtschaft ein.

Im laufenden Jahr wird die Anzahl der Bio-Betriebe 23.000 übersteigen, die Bio-Flächen werden auf über 600.000 ha anwachsen – das entspricht einer Fläche, die mehr als doppelt so groß ist wie jene Luxemburgs. „Die biologische Landwirtschaft und deren Bedeutung in Österreich wird durch diesen Wachstumsschub ohne Frage weiter gestärkt. Aber es ist auch ein weiterer Schritt in Richtung Ökologisierung der Landwirtschaft insgesamt, der hier gemacht wird. Denn jeder zusätzliche Hektar biologisch bewirtschaftete Fläche trägt direkt zum Schutz von Umwelt und Klima bei“, betonte Grabmann.

Auf europäischer Ebene gelte es, die verfahrene Situation um die EU-Bio-Verordnung rasch zu bereinigen. Die mittlerweile beinahe drei Jahre dauernden Verhandlungen zur Revision der EU-Bio-Verordnung würden die Marktteilnehmer verunsichern und Investitionsabsichten derselben ausbremsen. „Kommissar Hogan würde Bio am liebsten zurück in die Nische drängen, wie es scheint. Sein Plan ist es, den aus Praktiker-Sicht völlig untauglichen Vorschlag der EU-Kommission durchzupeitschen – koste es, was es wolle. Diesen Irrweg sollte er allerdings rasch verlassen“, sagte Grabmann, die betonte, dass das EU-Parlament sich bereits deutlich gegen die Pläne der Kommission gestellt habe. „Auch Minister Rupprechter und andere EU-Landwirtschaftsminister haben einen Neustart auf Basis der bestehenden Verordnung gefordert. Genau das gilt es nun rasch umzusetzen, um eine aufstrebende Branche nicht in ihrer Entwicklung zu hemmen. Eine neue Bio-Verordnung macht nur dann Sinn, wenn Sie einen Mehrwert gegenüber dem bestehenden EU-Bio-Recht bietet und keine neuen Probleme schafft. Davon sind wir derzeit noch weit entfernt“, so die BIO AUSTRIA Obfrau weiter.

Gastronomie große Wachstumsbranche für Bio

Großes Potenzial für biologische Lebensmittel in Österreich ortet Grabmann noch im Bereich des Außerhausverzehrs, also etwa im Bereich der Gastronomie und der Gemeinschaftsverpflegung. Menschen wollen zunehmend auch außerhalb der eigenen vier Wände Lebensmittel in Bio-Qualität konsumieren. Das bestätigt eindrücklich auch die Entwicklung im Bio-Großhandel, der in den vergangenen Jahren nach eigenen Angaben ein konstantes Umsatz-Wachstum von etwa 10 bis 15 Prozent jährlich verzeichnet. Als Ziel nannte Grabmann, künftig Anreize zu schaffen, damit noch mehr Gastronomiebetriebe ihr Angebot Bio-zertifizieren lassen. Derzeit haben in Österreich in etwa 400 Gastro-Betriebe eine Bio-Zertifizierung.

Bio-Lebensmittel stehen für einzigartige Qualität

Abschließend verwies Grabmann auf die Notwendigkeit, in der Kommunikation rund um nachhaltige Lebensmittelwirtschaft präziser vorzugehen. „Für Konsument/innen wird oft durch Unschärfen der Eindruck erzeugt, dass es sich bei Produkten aus dem näheren Umfeld automatisch um nachhaltig erzeugte Produkte handelt. Begrifflichkeiten und Zuschreibungen wie ‚regional‘, aber auch ’natürlich‘, ’naturnah‘, ’naturbelassen‘ sollen diesen Eindruck unterstreichen. Oft handelt es sich hier allerdings um einen gezielten Versuch, Bio zu verwässern“, konstatierte die Biobäuerinnen- und Biobauern-Chefin, die diesbezüglich auf die „einzigartige Qualität von Bio-Lebensmitteln“ verwies. „Nur biologische Lebensmittel bürgen durch konsequent hohe Prozessqualität für ökologische Qualität – vom Feld über die Verarbeitung bis in den Kühlschrank“, so Grabmann abschließend.

 

 

Deutsch
Newsfeeds abonnieren