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Bio-Rohstoffe - regional und aus Deutschland

Deutsch

Herr Niemann, welches sind die Bio-Produkte für die Ihre Region Niedersachsen 
besonders zu einem relevanten Anbau geeignet sind? 
Wo sehen Sie aus ihrer Erfahrung die Stärken heimischen Bio-Anbaus in Niedersachsen? 
Grundsätzlich alle Lebensmittel, die in unseren norddeutschen Klimaten wachsen. Vor dem Hintergrund der Bio-Marktdynamik sehe ich besondere Chancen für Bio-Gemüse, -Kartoffeln und –Obst: Zum Einen wollen Verbrauchen und respektive Handel Frische, kurze Transportwege und Transparenz, andererseits haben wir im Agrarland Nummer 1 zunehmend mehr kompetente Hersteller, die weitere Mengen für ihren Verarbeitungsprozess benötigen. Gerade vor dem Hintergrund hoher und in Niedersachsen weiter steigender Pachtpreise handelt es sich hier um Kulturen, die stärker in der Wertschöpfung sind und damit auch die Wettbewerbsfähigkeit der Bio-Landwirte stärken. 

Bei welchen Bio-Rohstoffen aus deutschen Anbau glauben Sie in den nächsten 
eine höhere Quote an einheimischer Ware erreichen zu können? 
Ganz sicher bin ich mir bei den Eiweißpflanzen. Durch die nationale Eiweißstrategie und das Greening erleben heimische Leguminosen, wie Erbsen, Bohnen und Lupinen nach einer Zeit des Niederganges nun eine Renaissance. Mit der Sojabohne legt eine neue Kultur dieser Gattung in den letzten Jahren eine rasante Anbauentwicklung hin. Eine weitere Hoffnung liegt bei den Ölsaaten, wie Raps, Sonnenblumen und Leinsamen mit ihren hochwertigen Fettsäuren, OMEGA 3 und 6. Sie wachsen hier gut, werden aber zum überwiegenden Anteil importiert. Auch sie enthalten viel Protein und zeichnen sich durch viel hochwertige essentielle Aminosäuren aus. Diese sind sowohl in der Tierfütterung, als auch in der Humanernährung von besonderer ernährungsphysiologischer Relevanz. Wellness- und Vegan-Bewegung bescheren uns in diesem Segment jährliche Marktzuwächse von über 25% und laufend neue Produkte, wie auf der BioNord zu sehen war. 

Welche Rolle spielt für Sie die Glaubhaftigkeit und Rückverfolgbarkeit von Bio-Rohwaren bis zum Anbauer und bis auf den Hof? 
Eine sehr sehr große! Einer weiteren Biomarktentwicklung gebe ich nur dann eine Chance, wenn es uns gelingt, Transparenz herzustellen. Das, was Verbraucher mit „Bio“ in Zusammenhang bringen, nämlich eine nachhaltig-ökologische Landwirtschaft in unserer Heimat, müssen wir auch einlösen. Klar ist, dass wir für Umweltleistungen einen entsprechenden Bio-Mehrpreis benötigen, sonst fehlt Bauern der Anreiz. Politische Unterstützung dafür hat sich merklich verbessert. Allerdings sehe ich noch Nachholbedarf bei der Kommunikation der Bio-Mehrwerte an die Verbraucher. Die Herausforderung liegt darin, komplexe Inhalte durch einfache Botschaften zu vermitteln. Um das erfolgreich zu machen, muss die Branche die Menschen vor allem emotional erreichen. 


Mit welchen Zertifizierern arbeiten Sie zusammen?
Bei Bedarf vermitteln wir an bio-interessierte Nachfrager und Neueinsteiger die in Niedersachsen zugelassenen Öko-Kontrollstellen. In der Hauptaufgabe unterstützen wir die Marktakteure der gesamte Wertschöpfungskette durch Beratung und Entwicklungsprojekte. Grundlage dafür sind u.a. Forschungs- und Versuchsanstellungen in der oben genannten „Frischeprodukte-Gruppe“ und intensive Zusammenarbeit mit vielen Partner-Organisationen, wie Bioverbände und Forschungseinrichtungen Dabei generieren wir marktrelevante Informationen, die wir aufbereiten und veröffentlichen. Auch die aktuell erschienene Broschüre „Biomarkt Niedersachsen – Marktdaten 2014“ (http://www.oeko-komp.de) ist ein Beitrag, mehr Transparenz zu schaffen. #

Henning Niemann
Dipl. Ing. agr.ist Beratung Verarbeiter u. Handel beim Kompetenzzntrum Ökolandbau Niedersachsen

Abbildung: 
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