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Bio-Markt Rohware

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Herr Dr. Brandes, was würden Sie deutschen oder Österreichischen Kunden sagen, ob man ihren Bedarf mittelfristig allein aus heimischer Ware ausreichend decken kann?

Das ist gegenwärtig nicht möglich und die Situation wird sich auch mittelfristig nicht ändern. 
Zum einen gibt es Produkte, die (aus klimatischen und/oder landbaulichen Gründen) in Deutschland/Österreich nur in ganz geringem Maße angebaut werden. Denken wir an Sonnenblumen oder Raps oder Sojabohnen. 
Zum anderen sind Deutschland und Österreich große Verbrauchermärkte, d.h. wir haben ein stetes Wachstum in der Nachfrage nach Biolebensmitteln. Es werden aber kaum noch Produktionsflächen in unseren Ländern auf "bio" umgestellt. Das hat vielfältige Gründe. Im Ausland sieht es anders aus: hier gibt es noch Umstellungen auf Biolandwirtschaft (aber kaum lokalen Verbrauch der Bioprodukte). In jedem Fall wird eine Versorgung mit Biolebensmitteln allein aus nationaler Produktion nicht funktionieren - das gilt sogar für Produkte wie z.B. Weizen oder Dinkel.



Mit welcher Art von Getreide und Rohstoffen aus welchen Ländern beschäftigen Sie sich vor allem?

Unsere Firma, Natur Gold Farms, ist auf Kontraktanbau und Rückverfolgbarkeitsprojekte fokussiert. Unsere Kunden wollen (mit Recht!) wissen, woher die Ware stammt. Wir beschäftigen uns in erster Linie mit dem Anbau und der Verarbeitung von "Urgetreide", also Dinkel, Emmer, Einkorn. Daneben spielen Sonnenblumen in unserer Region (Ungarn, Kroatien, Rumänien, Bulgarien) eine wichtige Rolle. Wir kümmern uns aber auch um die anderen Produkte, die bei unseren Partnern im Rahmen der Fruchtfolge anfallen, also Leguminosen (wie Futtererbsen und Sojabohnen), Raps, Weizen, Mais.



Was sind für Sie glaubhafte und gute Rohstoffquellen für Getreide?


Wir arbeiten sowohl mit großen Betrieben als auch mit kleinen Landwirten in den oben genannten Ländern zusammen. Regional betrachtet gibt es viele gute Rohstoffquellen in Europa. Uns ist wichtig, dass wir die Landwirte persönlich kennen und einen direkten Kontakt haben. Regelmäßige Besuche und Feldbegehungen sind ein Kernbestandteil unserer Arbeit. Dabei beraten wir die Landwirte auch häufig zu landbaulichen Themen.


Was muss man ihres Erachtens tun, um auch den eigenen Kunden wie Mühlen, Großhändlern oder Verarbeitern, eine möglichst weitgehende Sicherheit für Qualität, Herkunft und Ehrlichkeit der eigenen Rohstoffe zu geben.

Wir bieten unseren Kunden langfristige Partnerschaften, d.h. Anbauprojekte mit Rückverfolgbarkeit und langfristige Lieferverträge an.

Das bietet Sicherheit hinsichtlich Qualität, Herkunft, Mengen und Preisen. Aber diese Arbeit und dieser "Qualitätsstandard" hat auch einen etwas höheren Preis und erfordert vor allem ein klares Bekenntnis der Kunden zur langfristigen Zusammenarbeit. Leider verstehen manche Kunden/Verarbeiter erst spät, dass dieser Weg der einzig sinnvolle ist. Oft erst, nachdem sie mit obskuren Händlern oder unzuverlässigen Partnern Schiffbruch erlitten haben. Aber "bio" und "billig" passt einfach nicht zusammen!



Mit welchen Bio-Zertifizierungsstellen arbeiten Sie auf ihren unterschiedlichen Feldern zusammen?

Wir selbst sind bei BioKontroll Hungaria zertifiziert und achten darauf, dass unsere Partner von seriösen Kontrollstellen zertifiziert sind, die einen guten Ruf genießen.

Jeder im Markt weiß, dass es bei Kontrollstellen aus bestimmten Ländern Unregelmäßigkeiten gibt oder gab. Wir achten darauf, dass unsere Partner nicht mit diesen Firmen arbeiten.

Dr. Brandes arbeitet für einen der großen ungarischen Bio-Rohwarenanbieter, „Natur Gold Farms“, und ist ein ausgewiesener Experte für Rohwarenqualität im Einkauf.

Abbildung: 
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